Genealogie Blaskowitz
 

Generaloberst

Johannes Albrecht Blaskowitz

B10

Geboren am 10. Juli 1883
In Pateswalde, Kreis Wehlau, Ostpreußen
Gestorben 1948 in Nürnberg.

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Keine der kriegerischen Auseinandersetzungen, an denen die deutsche Armee seit 1866 beteiligt war, forderte von der Generalität so viele Blutopfer wie der II. Weltkrieg, auch Generaloberst Johannes Blaskowitz sollte die Folgen des II. Weltkrieges mit seinem Leben bezahlen. Im Deutschen Krieg von 1866 kamen auf 5500 gefallene Soldaten (Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften) ein toter General, 1870/71 - im Deutsch-Französischen Krieg - betrug das Verhältnis 1 zu 5900, im 1. Weltkrieg haben von 1548 Generalen des Heeres und Admiralen der Kaiserlichen Marine 168 das Kriegsende nicht mehr erlebt, ein toter Soldat im Generals- oder Flaggoffiziersrang kam also auf 10.200 Gefallene, demgegenüber verzeichnet die Gesamtverlustliste des II. Weltkrieges nicht weniger als 963 tote Soldaten im Generalsrang, diese Zahl umschließt neben 223 Gefallenen auch die an Verwundungen und Krankheiten Gestorbenen, die während des Krieges oder in der Gefangenschaft tödlich Verunglückten, jene 20 von der Hitler-Justiz und 33 von den Alliierten Hingerichteten sowie 64 Generale, die durch Freitod aus dem Leben schieden, das entspricht einem Verhältnis von einem Toten im Generalsrang auf 4600 tote Soldaten. Von 19 Generalfeldmarschällen des Heeres waren bei Kriegsende nur noch drei im Dienst, von den über 50 Generalobersten übten zuletzt nur noch acht ein aktives Kommando aus, alle übrigen waren tot, vermisst, gefangen, dienstenthoben, gemaßregelt oder verabschiedet, ein einziger Armeeführer von 1939 war 1945 noch im Dienst: Generaloberst Blaskowitz - als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe H.

Der ostpreußische Pfarrerssohn Johannes Blaskowitz wurde am 10.Juli 1883 in Peterswalde (Kreis Wehlau) geboren, nach dem Besuch der Kadettenanstalten in Köslin (Pommern) und Groß-Lichterfelde (Berlin) trat er am 2. März 1901 als Fähnrich in die preußische Armee ein und wurde am 27.1.1902 (Geburtstag des Kaisers Wilhelm II.) im Infanterieregiment, von Grolmann 1. Posensches Nr. 18 zum Leutnant - mit Vorpatentierung auf den 10.7.1900 - befördert, dieses Regiment, dem übrigens - wie in den meisten Regimentern mit "hohen Hausnummern" - fast nur bürgerliche Offiziere angehörten, lag damals in Osterode (Ostpreußen) in Garnison. Von 1909 bis 1911 besuchte Blaskowitz die Berliner Kriegsakademie und kam anschließend als Oberleutnant zur 3. Kompanie des 9. Badischen Infanterieregiments Nr. 170 nach Offenburg, in seiner letzten Friedensstellung gehörte er als Hauptmann dem Stab des Rastatter Infanterieregiments "Markgraf Ludwig Wilhelm" (3. Badisches) Nr. 111 an, wo u.a. der spätere Generalfeldmarschall Paulus und dessen rumänische Schwäger Effrem und Konstantin Rosetti-Solescu als Leutnants seine jüngeren Kameraden waren, als Chef der 10. Kompanie dieses Regiments zog er im August 1914 ins Feld, im zweiten Kriegsjahr wechselte er - zunächst als Kompaniechef und dann als Bataillonsführer - zu einer Jägereinheit, bevor er von 1916 bis zum Kriegsschluss in Generalstabsstellungen Verwendung fand, ebenso wie zuvor als Truppenführer und tapferer Soldat bewährte er sich nunmehr auch als tüchtiger Generalstäbler und erwarb sich nach beiden Eisernen Kreuzen (I. und II. Klasse) und dem Verwundetenabzeichen u.a. auch noch das Ritterkreuz mit Schwertern des Hausordens von Hohenzollern, als Generalstabsoffizier wurde Blaskowitz beim X. Armeekorps, bei der 75. Reservedivision, bei der 37. österreich-ungarischen Honved-Division, beim Armeeoberkommando 7 und schließlich wieder beim X. Korps eingesetzt. Nach dem Krieg wurde der überdurchschnittlich qualifizierte Generalstabshauptmann in die republikanische Reichswehr übernommen, zunächst tat er weiter Stabsdienst beim Infanterieführer V in Stuttgart, wo er am 1.6.1921 - mit 38 Jahren - zum Major befördert wurde, er war für damalige Verhältnisse noch ein relativ junger Major, der gleichaltrige spätere Generaloberst Ritter von Schobert zum Beispiel wurde erst drei Jahre nach Blaskowitz Major, obwohl er ein besonders hochdekorierter Offizier war, dem im Krieg zugleich mit der höchsten bayerischen Kriegsauszeichnung, dem Militär-Max-Joseph-Orden, der persönliche Adel verliehen worden war .

Für Major Blaskowitz folgte nun wieder ein Truppenkommando als Kommandeur des III. Bataillons im 13. (Württembergischen) Infanterieregiment in Ulm, zum gleichen Regiment gehörten damals der spätere Generalfeldmarschall Rommel als Hauptmann und der Chef der 4. (MG) Kompanie und Oberleutnant Dr. Hans Speidel, der 1944 als General Rommels Heeresgruppenstabschef in Frankreich war und nach dem II. Weltkrieg beim Aufbau der Bundeswehr und der NATO eine führende Rolle spielte, in Ulm wurde Blaskowitz am 1.4.1926 Oberstleutnant und trat dann für mehrere Jahre an die Spitze des Stabes der 5. Division in Stuttgart, nach Beförderung zum Oberst - mit Patent vom 1.10.1929 - übernahm er als Kommandeur die Führung des 14. (Badischen) Infanterieregiments in Konstanz, was für ihn gleichzeitig mit der Funktion eines Landeskommandanten in Baden verbunden war, die Landeskommandanten der Reichswehr besaßen keine besondere Befehlsgewalt, die über ihren jeweiligen Truppenbereich hinausging, sondern hatten eher diplomatische Befugnisse, indem sie dafür zu sorgen hatten, dass im Rahmen der Reichswehr die landsmannschaftliche Eigenart und die wirtschaftlichen. Bedürfnisse der betreffenden Länder berücksichtigt wurden. In Konstanz erhielt Blaskowitz am 1.10.1932 seine Beförderung zum Generalmajor, gehörte also schon vor Hitlers Berufung zum Reichskanzler (30.1.1933) zur Generalität, am 1.2.1933 wurde er als Inspekteur der Waffenschule ins Reichswehrministerium nach Berlin geholt, wo er noch im gleichen Jahr, am 1.12.1933, zum Generalleutnant aufstieg, damit hatte er einen Rang erreicht, der dem eines Befehlshabers von Großverbänden entsprach, tatsächlich löste er nun im Zuge des Ausbaus des 100.000-Mann-Heeres zur Wehrmacht mit allgemeiner Wehrpflicht am 1.4.1935 General der Infanterie von Bock, den späteren Generalfeldmarschall, der das neugebildete Heeresgruppenkommando 3 in Dresden übernahm, als Kommandeur der 2.Division und Befehlshaber im Wehrkreis II (Stettin/Pommern) ab, bei der Errichtung von Armeekorps (AK) wurde aus dem bisherigen Wehrkreisbefehlshaber Blaskowitz im September 1935 der Kommandierende General des II. AK, am 3.8.1936 erfolgte seine Beförderung zum General der Infanterie, im Jahre des großen Generalschubes von 1938, den Hitler - nunmehr als oberster Befehlshaber der Wehrmacht - anordnete, trat Blaskowitz abermals an die Stelle von Bocks, der als Generaloberst den Oberbefehl über die Gruppe 1 (Berlin) übernahm, während Blaskowitz OB in Dresden wurde.

Im Oktober 1938 war er als Truppenführer am Einmarsch ins Sudetenland und im Frühjahr 1939 an der Eroberung der Tschechoslowakei beteiligt, bei der Mobilmachung zum II. Weltkrieg gegen Polen wurde General Blaskowitz im Rahmen der von dem reaktivierten Generalobersten von Rundstedt geführten Heeresgruppe Süd mit der Führung der 8. Armee betraut, die am 1.9.1939 aus dem schlesischen Raum heraus mit möglichster Beschleunigung in Richtung Lodz vorzugehen hatte, sie konnte dabei in der" Schlacht an der Bzura" (7. bis 19. 9. 1939) die größte Krise des Polenfeldzuges gegen den unerwartet starken und hartnäckigen Widerstand polnischer Truppen siegreich beenden, die Truppen der Armee Blaskowitz, zu denen das X. und das XIII. Armeekorps, die "Leibstandarte SS Adolf Hitler" sowie die Grenzschutzabschnittskommandos 13 (Glogau) und 14 (Breslau) gehörten, hatten besonderen Anteil an der Vernichtungsschlacht im Weichselbogen und der Einnahme Warschaus, hier wurde Blaskowitz von Hitler beauftragt, nach viertägigem schwerstem Bombardement zu Lande und aus der Luft die Verhandlungen mit dem Gegner wegen der Übergabe der Festung Warschaus zu führen, wobei ein polnischer General namens Juliusz Rommel sein Verhandlungspartner war, der Oberbefehlshaber der 8. Armee wurde nach Beendigung der Kämpfe am 1.10.1939 zum Generaloberst befördert und als einer der ersten deutschen Soldaten mit dem neugestifteten Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet (30. 9. 1939).

Der inzwischen 56jährige Generaloberst Blaskowitz blieb auch nach dem Feldzug zunächst in Polen als "Oberbefehlshaber Ost", er war nicht gesonnen, sich dabei von irgendwelchen SS- und Polizeidienststellen in seine Aufgaben hineinreden zu lassen und fühlte sich wie SS-Führer Berger berichtete "durchaus als Herr der Lage", als "der Mann, der in Wirklichkeit befiehlt", so zögerte er zum Beispiel nicht, SS-Leute, die sich Grausamkeiten und Plünderungen gegen die polnische und jüdische Bevölkerung zuschulden kommen ließen, zum Tode zu verurteilen und Material gegen die SS-Kommandos zu sammeln, dieses in einer Denkschrift zu verarbeiten und über den Oberbefehlshaber des Heeres an Hitler zu senden, eine weitere Denkschrift folgte im Februar 1940, worin es u.a. hieß:

"Die Einstellung der Truppe zur SS und Polizei schwankt zwischen Abscheu und Hass. Jeder Soldat fühlt sich angewidert und abgestoßen durch diese Verbrechen, die in Polen von Angehörigen des Reiches und Vertretern der Staatsgewalt begangen werden."

Eine solche offene Sprache behagte natürlich den Machthabern nicht, deshalb wurde Blaskowitz nach einer Intervention des Generalgouverneurs Frank (später in Nürnberg hingerichtet) von Hitler, der die von Blaskowitz bestätigten Todesurteile gegen SS-Leute aufheben ließ, abgelöst und nach dem Westen versetzt.
Nach dem für Deutschland siegreichen Westfeldzug befehligte Blaskowitz nacheinander die 1. und 9. Armee in Frankreich und stand während der Invasionskämpfe an der Spitze der Heeresgruppe G - bestehend aus der 1. Armee (zwischen der Loire und den Pyrenäen) und der 19. Armee (zwischen Port Bou und Mentone), für deren tatkräftige Führung er am 28.10.1944 mit dem 640. Eichenlaub ausgezeichnet wurde, er hatte die schwierige Aufgabe, seine Divisionen kämpfend von den im Süden Frankreichs gelandeten Invasionstruppen und den immer aktiver werdenden Verbänden der französischen "Resistance" zu lösen und den Anschluss an die in Nordfrankreich durch die dortigen Invasionskämpfe schwer angeschlagenen Hauptkräfte der deutschen Front im Westen zu finden, aus Elsaß-Lothringen wurde Blaskowitz schließlich zu seinem letzten Kriegseinsatz nach Holland abkommandiert, wo er die aus der 1. Fallschirmjägerarmee und aus der schwachen 25. Armee bestehende Heeresgruppe H zu übernehmen hatte, aber auch hier waren keine Lorbeeren mehr zu ernten, wenn auch Blaskowitz für die Führung der Kämpfe in der vom Reich abgeschnittenen "Festung Holland" am 25.1.1945 noch als 126. Soldat die Schwerter zum Ritterkreuz verliehen wurden, am 5. Mai 1945 musste er sich aufgrund der Kapitulation der deutschen Truppen im Raum Nordwest mit den Resten der 25. Armee in Wageningen (Holland) dem Gegner ergeben, seine Verhandlungspartner waren diesmal der kanadische General Foulkes und der deutschstämmige Prinz Bernhard der Niederlande als Oberkommandierender der niederländischen Armee.

Sein letzter Weg führte ihn nach Nürnberg, wo auch er wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt werden sollte - ausgerechnet er, der Pfarrerssohn, der sich schon in Polen für die Menschlichkeit eingesetzt hatte und dafür gemaßregelt worden war, damit konnte er nicht fertig werden, ebenso wie General der Gebirgstruppen Franz Böhme, der letzte Chef des österreichischen Generalstabes und bei Kriegsende Oberbefehlshaber der Norwegen-Armee ein Jahr zuvor, setzte Johannes Blaskowitz am 5. Februar 1948 - 65jährig - seinem Leben selbst ein Ende, indem er sich im Lichtschacht des Nürnberger Gerichtsgefängnisses zu Tode stürzte.

Generaloberst Johannes Blaskowitz hatte noch einen älteren Bruder, Kurt Blaskowitz * 1875, wahrscheinlich in Paterswalde Kreis Wehlau. Oberleutnant Kurt Blaskowitz wurde 1901 von einem Oberleutnant Hildebrand in einem Duell bei Gumbinnen erschossen.

Am 4.11.1901 duellierten sich Ltn. Blaskowitz und OLtn. Hildebrand vom Infanterieregiment Nr. 45 in Insterburg, wobei Blaskowitz, der schwer betrunken H. beleidigt hatte, erschossen wurde vgl. Schultheiß, S. 152 .

Protokolle des Preußischen Staatsministeriums, Bd. 9, bearb. von R. Zilch


So blieb er ohne Marschallstab
 

Helmut Blaskowitz  •  Grillostraße 101b  •  59174 Kamen

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